Für die Freiheit von Kunst & Kultur

Liebe Freund*innen der freien Kunst und Kultur,

wir sind connect! – gemein­nüt­ziger Verein für Musik – Tanz – Kultur e.V. Seit fünf Jahren schaffen und offe­rieren wir Raum für Begegnungen, für Musik und Tanz, für Kunst, Kreativität und Leidenschaft. Vier einzig­ar­tige Open Air-Veranstaltungen haben wir – unter anderem – bislang auf die Beine gestellt, zuletzt im Spätsommer 2019 in Reutlingen als Siegerin des von der Stadtverwaltung Reutlingen ausge­ru­fenen Käpsele-Wettbewerbs. Die Rückmeldungen unserer Gäste, der Mitarbeiter*innen, der Künstler*innen, unserer Geschäftspartner*innen sowie der zahl­rei­chen Helfer*innen sind durchweg positiv und erfüllen uns mit Stolz. Wir verbinden Menschen allen Alters, unab­hängig von Musik- und Kunstgeschmack, von gesell­schaft­li­cher Stellung und Herkunft. Unser in Tübingen ansäs­siger Verein besteht aus aktiven kunst- und kultur­lie­benden Menschen aus ganz Süddeutschland und ist über­re­gional vernetzt. Wir verstehen uns als Teil des kultu­rellen Angebots unserer Region und die wach­sende Nachfrage sowie stei­gende Besucher*innenzahlen bestärken uns in dieser Sicht.

Mit Sorge beob­achten wir jedoch eine zuneh­mende Verhinderungsdynamik, die Kulturarbeit erschwert, Kulturschaffende demo­ti­viert und dem sehr erfreu­li­chen sowie unter­stüt­zens­werten Wunsch – nicht zuletzt auch von städ­ti­scher Seite – nach mehr Kultur im Wege steht.

Wir wünschen uns eine koope­ra­tive und konstruk­tive Zusammenarbeit mit den Genehmigungsbehörden, welche die erfolg­reiche Durchführung von Veranstaltungen zum Ziel hat, nicht deren Verunmöglichung. Eine Veranstaltung für 900 Menschen als Großveranstaltung anzu­setzen, führt zu Auflagen und Bedingungen, die von einem ehren­amt­lich tätigen Verein kaum zu reali­sieren sind (Beschallungskonzept, Sicherheitskonzept sowie diverse maßstabs­ge­treue Pläne in digi­taler Form). Denkbar und auch recht­lich vertretbar wären hier durchaus der Veranstaltung ange­mes­sene Anpassungen der Anforderungen und Auflagen an die Kulturveranstalter*innen oder aber zumin­dest die Unterstützung durch die (Kultur-)Verwaltung bei der Erfüllung der Auflagen.

Auch wünschen wir uns ein ange­mes­senes und verhält­nis­mä­ßiges Auftreten und Verhalten der Polizei wie bei größen­mäßig vergleich­baren Veranstaltungen und nicht, wie wir es in den letzten beiden Jahren durch die Polizei erfahren mussten. Dies beinhaltet das Einhalten von Absprachen auf der Grundlage des vorher mit Polizei und Ordnungsamt verein­barten Sicherheitskonzepts. 23 „Vorfälle“ im Umfeld des connect! Open Airs (es ist noch völlig offen, ob bzw. bei wie vielen es über­haupt straf­recht­liche Konsequenzen geben wird) bei insge­samt 1.000 Beteiligten recht­fer­tigen keines­wegs die engma­schige Kontrolle aller Veranstaltungsbesucher*innen sowie den Einsatz von Zivilbeamten und Spezialkräften der Bereitschaftspolizei mit Schutzkleidung und Händen an den Schlagstöcken auf dem Gelände. Hier wird nicht nur sprich­wört­lich mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Neben dem Imageschaden für den connect! e.V. und der Beschädigung des persön­li­chen Ansehens derer, die sich mit ihrem Namen für den Verein enga­gieren, sind es vor allem auch unsere vielen fried­li­chen Gäste, die krimi­na­li­siert und unter Generalverdacht gestellt werden.

Obwohl die elek­tro­ni­sche Musik nur einen Teil unseres Angebots ausmacht, nehmen wir wahr, dass unsere Veranstaltungen seitens der Verwaltungen, der Polizei und auch von Teilen der Presse als „Techno-Party“ gesehen wird. Alleine diese Reduzierung scheint alle poli­zei­li­chen Mittel zu recht­fer­tigen.

Als beun­ru­hi­gend empfinden wir, dass sich dieses rigo­rose poli­zei­liche Vorgehen derzeit gehäuft auch auf anderen unkom­mer­zi­ellen Veranstaltungen beob­achten lässt. Wir meinen darin eine gewisse Systematik zu erkennen und möchten uns dieser Entwicklung entge­gen­stellen.

Kunst und Kultur sind ein essen­ti­eller Bestandteil unseres gesell­schaft­li­chen Zusammenlebens und Gemeinwesens. Sie sind von allen Seiten gewünscht und gewollt, müssen aber auch erlaubt werden, sich entfalten können und bedürfen der Unterstützung!

Um diese wollen wir hiermit werben.
Wir bedanken uns herz­lich für Eure Aufmerksamkeit und freuen uns über jede Form des Rückhalts!

Euer connect! e.V.

(Tübingen im November 2019)


Bei Rückmeldungen, Fragen, Ideen zur Unterstützung oder Interesse an der Vernetzung meldet euch unter info@connect-ev.de