festival yidishe muzik – klezmer lyrics & tunes

Stuttgart | 26. – 28. Juli 2019



Klezmer-Klänge
yidish-spra­chige Texte
Geschichte(n) und
Elektro-Klezmer-Beats.

Vom 26. bis zum 28. Juli 2019 fand die zweite Auflage des Festivals yidishe muzik – klezmer lyrics & tunes rund um den Erwin-Schöttle-Platz in Stuttgart-Heslach statt. Die Projektgruppe yidishe lider – klezmer songs & stories des connect! e.V. veran­stal­tete gemeinsam mit der Klezmerband oygn­blick an drei Tagen Band- und Chorkonzerte, Erzähl- und Musikveranstaltungen, Stadtteilrundgänge, Vorträge und Workshops.

Alle Interessierte waren herz­lich dazu einge­laden, sich in den drei Festivaltagen zu infor­mieren und zu betei­ligen, einzu­tau­chen und sich inspi­rieren zu lassen, mitzu­singen und zu tanzen, nach­zu­fragen und Impulse zu liefern. Gemeinsam mit etwa hundert Musiker*innen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen haben unsere Besucher*innen yidishe Musik und Kultur aufleben lassen und sie weiter­ge­tragen.


www.yidishe-lider.org

www.oygnblik.org


Veranstaltungsorte

Generationenhaus Heslach
Gebrüder-Schmidt-Weg 13
70199 Stuttgart

Matthäuskirche
Möhringer Str. 52
70199 Stuttgart

Café-Bar Chivasso
Böblinger Str. 86
70199 Stuttgart

Programm

Das voll­stän­dige Programm kann hier herunter geladen werden

Hintergrund

Die Kultur der yidish-spra­chigen Bevölkerung erblühte zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert in Polen, dem Baltikum und den umlie­genden Gebieten mit Zentren in Warschau, Krakau und Wilna. Durch Pogrome natio­na­lis­ti­scher und christ­li­cher Fanatiker gegen die meist jüdisch-gläu­bige Nachbargruppe wurden um 1900 Auswanderungsbewegungen vor allem in Richtung Westeuropa, Amerika und Palästina erzeugt. Der Hitler-Diktatur, ihrer Nazi-Ideologie und ihrem Expansions- und Vernichtungskrieg fielen ab 1939 Millionen jüdisch-stäm­miger Menschen zum Opfer. Im ehemals riesigen Siedlungsgebiet mit einer yidishen Bevölkerung von über 11 Millionen gibt es heute fast keine yidishe Kultur mehr. Das yidish­land besteht nur noch aus immer kleiner werdenden Inseln welt­weit. Da es kaum mehr Muttersprachler*innen gibt, gilt das Yidishe als eigen­stän­dige, leben­dige Sprache und Kultur heut­zu­tage als vom Aussterben bedroht.

Yidish und Deutsch sind enge Verwandte

Das Yidishe hängt eng mit der Kultur Deutschlands zusammen, nicht nur wegen seiner Zersplitterung durch den deut­schen Nationalsozialismus. Vielmehr geht die Entstehung der ursprüng­lich in hebräi­scher Schrift abge­fassten yidishen Sprache zurück auf süddeut­sche Dialekte um das Jahr 1300. Durch Pogrome und Feindseligkeiten christ­li­cher Nachbarn im Rhein-Main-Donaugebiet hatte es ab dem 14. Jahrhundert eine massen­hafte Auswanderung deutsch-jüdi­scher Menschen in für sie gast­freund­li­chere mittel­ost­eu­ro­päi­sche Herrschaftsgebiete gegeben. Dort entwi­ckelte sich ihr „Juden-Deutsch“, das zu etwa 70 Prozent aus west­ger­ma­ni­schen Sprachelementen und hebrä­isch-aramäi­schen Begriffen bestand, unter Hinzunahme von slawi­schen Worten und Grammatikteilen weiter zum yidishen Idiom. In den vergan­genen über 700 Jahren gab es weitere deutsch-yidishe Wechselbeziehungen auf sprach­li­chen, kultu­rellen, reli­giösen, philo­so­phi­schen und musi­ka­li­schen Ebenen.

Eine große Faszination geht von den Melodien und Rhythmen der Klezmer-Musik sowie von ihren Texten aus. Selbst in der schlimmsten Leidenszeit wurden yidish-spra­chige Lieder gedichtet und kompo­niert und in den Theatern der jüdi­schen Ghettos bis kurz vor ihrer Zerstörung aufge­führt. In den Gemeinschaften der Entkommenen wurde die Kultur und Musik weiter­ent­wi­ckelt. So entstand in Argentinien der yidishe Tango und in den USA der welt­be­rühmte Klezmer, zurück­ge­hend auf alte Musiktraditionen der klez­morim, yidisher Hochzeitsmusiker. Typisch für den vorwie­gend instru­men­talen Klezmer und die yidishen Lieder, die Klezmersongs, ist der Wechsel von nach­denk­li­cher Melancholie und tanz­hafter Fröhlichkeit in Texten und Melodien. Hauptziel des connect!-Projekts yidishe lider – klezmer songs & stories mit seinen Tonträgern, Publikationen und dem Festival ist die inten­sive, wissen­schaft­lich unter­mau­erte Bekanntmachung und Verbreitung der yidishen Kultur, ihrer Musik und Dichtkunst.

Fördernde & Sponsor*innen

Die zweite Auflage des Festivals yidishe muzik – klezmer songs & beats wurde geför­dert vom Kulturamt der Stadt Stuttgart, der evan­ge­li­schen Kirchengemeine Stuttgart-Heslach, dem Generationshaus Heslach, der Rudolf Schmid und Hermann Schmid Stiftung Stuttgart, dem MüZe Süd – Familienzentrum Stuttgart e.V., sowie von Chivasso – Café-Bistro-Bar (Stuttgart Heslach), Freies Radio Stuttgart, connect! – gemein­nüt­ziger Verein für Musik – Tanz – Kultur e.V., morde­chaj gebirtig project, Jüdisches Museum Berlin und der University of Iowa (Iowa City /​USA).

Schirmherrschaft von Projekt und Festival: Cem Özdemir


Mitwirkende

Rachel Anne Joselson (USA)
Revital Herzog (Reutlingen)
Böblinger Vokalensemble
Prof. Tilman Jäger
Eva und Jakob Jäger (München)
Bülent Bakir (Stuttgart)
Simon Wallenda (Stuttgart)
Wulf Otto Dreeßen und Harald Knaus, Universität Stuttgart
Yvonne Gomez-Serrano (Reutlingen)
Uwe von Seltmann (Krakau/​Polen)
fojgl – Flying Klezmer (Fellbach)
Roland Maier und Siggi Brüggemann (Stuttgart)
Kristina Stary (Baienfurt)
oygn­blik – klezmer songs & stories
Pfarrerin Katrin Büttner (Stuttgart)
Kurt Baldes (Stuttgart)
Frank Eisele, Barbara Stoll und Katharina Wibmer (Stuttgart)
Kammerchor Heslach
Markus Kern (Stuttgart)